Analoge Schwarzweiß-Fotografie
Warum analoge Fotografie? Dafür gibt es mehrere Gründe. Der erste ist banal: ich mag nicht stundelang am Computer sitzen. Der zweite Grund geht etwas tiefer: digitale Photographie macht es einem zu leicht - man kann Fehler zu bequem nachträglich korrigieren und gibt sich weniger Mühe bei der Aufnahme. Aus 100 Bildern wird sich schon was brauchbares finden lassen. Ein Knopfdruck und ein paar Mausklicks im Bildbearbeitungsprogramm, und fertig ist das Bild. Ein aussortiertes Bild wir per Mausklick gelöscht. Dadurch geht das Handwerkliche fast völlig verloren. Auf Knopfdruck lassen sich beliebig viele gedruckte Bilder produzieren. Eine Photographie bekommt so den Charakter einer Wegwerfware. Das ist zwar modern, aber nicht mein Geschmack. Drittens ist ein Negativ oder ein fertiges Positiv etwas Materielles und kann ohne technischen Aufwand und Strom betrachtet werden. Und ich mag keine Batterien oder Akkus mit mir herumschleppen oder ständig deren Ladezustand aktuell halten zu müssen für Kameras, die kurz nach dem Kauf veraltet sind (dies suggeriert einem zumindest die Werbung). In Farbe würde ich allerdings digital fotografieren. Der sehr hohe Aufwand und die geringen Steuerungsmöglichkeiten bei analoger Farbphotographie legen Digitalphotographie nahe - wenn man von Farbdiafilmen einmal absieht.
Warum in Schwarzweiß? Das ist eine schon viel schwerer zu beantwortende Frage. Meine Antwort dazu lautet: Schwarzweiß ist eine starke Abstraktion der Wirklichkeit und hebt das Bild so auf eine andere Ebene. Das Fehlen von Farben (von Tonungen einmal abgesehen, die aber „unnatürliche“ Farben sind) erlaubt dem Betrachter individuelle Freiheiten für die Interpretation des Bildes. Seltsamerweise gilt Schwarzweiß als objektiv oder dokumentarisch und hat eine starke Tradition in der Reportagefotografie. Eigentlich ist analog der Einsatz von Farbnegativmaterial am „objektivsten“.
Analoge Fotografien sind eigentlich Unikate. Eine genaue Wiederholung einer einmal manuell erstellten Vergrößerung ist fast unmöglich, insbesondere dann, wenn eine längere Zeitspanne zwischen zwei Vergrößerungen liegt. Das gilt in besonderem Maße für Lith-Prints. Dieser Prozeß wird von vielen Variablen beeinflußt, die eine exakte Wiederholung unmöglich machen, insbesondere in der heutigen Zeit, in der die verfügbaren Photopapiere und Chemikalien immer weniger werden. Die in Portfolio 3 aufgeführten Bilder könnten heute nur mit anderen Materialien erstellt werden, was den Lith-Effekt deutlich verändert oder gar nicht erst entstehen läßt.