Analoge Schwarzweiß-Landschaftsphotographien

von Thies Meincke

Über die Photographien

Die meisten Photographien entstanden in einem Umkreis von 30 km um meinen Wohnort. Da dieser im Naturpark Lauenburgsiche Seen liegt, habe ich reichlich Landschaft vor der Haustür, auch wenn der Begriff Naturpark ein Euphemismus ist. Es handelt sich um eine reine Kulturlandschaft mit intensiver Land und Forstwirtschaft und einigen unter Naturschutz gestellten Flächen. Der in den letzten 10 Jahren gewaltig zugenommene Landfraß durch Neubaugebiete, Gewerbegebiete, Straßenbau usw. läßt den Begriff Naturpark immer mehr zum reinen Marketingbegriff werden, um Touristen und Ausflügler anzulocken. Die geplanten Windparks werden dem Naturpark wohl den Rest geben.

In diesem Zusammenhang ist es auch auffällig, wie viele der hier gezeigten Photographien sich nicht mehr wiederholen ließen. Einige Beispiel sind:

  • Weg am Ehrenfriedhof in St. Georg 1 und 2 in Einzelbilder: Die Linden wurden gefällt.
  • Buchen am Schaalsee bei Groß Zecher in Portfolio 5: vom Sturm umgeworfen.
  • Eiche im Morgenlicht, Winter, bei Alt Horst in Portfolio 5: abgestorben.
  • Tote Eiche bei Neuenkirchen in Portfolio 3: aus Sicherheitsgründen gefällt.
  • Kiefern und Feldweg bei Gudow in Portfolio 4: Die Kiefern wurden gefällt.
  • Eichen im Herbstnebel bei Rodenwalde in Portfolio 5: Eiche im Vordergrund vom Sturm halbiert.
  • Kastanie und Rapsfeld bei Alt Horst in Portfolio 5: Kastanie vom Sturm halbiert.

Portfolio 1 zeigt ein typisches Merkmal im Kreis Herzogtum Lauenburg: Alleen entlang von Straßen, meistens Linden oder Eichen. In der Regel sind hier nur noch Nebenstraßen von Alleebäumen gesäumt. Weiter im Osten, in Mecklenburg, sind Alleen noch häufiger anzutreffen.

Portfolio 2 (magische Orte) zeigt, wie der Name sagt, Photographien von (meist weit entfernten) Orten, die ein besondere Schönheit bieten, und deshalb oft wie Anse Source d'Argent, La Digue, Seychellen oder Multnomah Falls, Oregon, USA bekannte Touristenmagnete sind. Sie ohne Menschenmengen abbilden zu können verlangt Glück. Die Bilder entstanden in der Absicht, eine möglichst wirklichkeitsgetreue Abbildung zu erreichen. Lediglich die Darstellung von fließendem Wasser wurde durch eine passend lange Belichtungszeit verfremdet, was aber meiner Meinung nach besser wirkt, als die Bewegung künstlich einzufrieren.

Portfolio 3 ist eine Sammlung von Photographien, die mit dem Lith-Print-Verfahren entstanden sind. Dieses Verfahren zeichnet sich durch eine Verschiebung der Lichter und Schatten mit weniger Mitteltönen aus. Die daurch entstehende Verfremdung geht klar in Richtung Piktoralismus, weicht also von einer realistischen Darstellung deutlich ab.

Portfolio 4 zeigt, daß es doch noch gelegentlich echte Wintertage gibt, sogar in Schleswig-Holstein. Hier ist die Darstellung wieder möglichst nahe an der Wirklichkeit.

Portfolio 5 ist eine Sammlung von Portraits interessanter Bäume. Es ist wie beim Menschen: je älter, desto charaktervoller. Manchmal kam hier Infrarotfilm zum Einsatz.

Portfolio 6 zeigt Waldszenen, die durch ihre Lichtstimmung wirken.

Viele Photographien wurden entweder aus ästhetischen Gründen oder für eine lange Lebensdauer getont. Meistens kam Selentoner zum Einsatz, der in der Regel keine oder nur ein geringe Veränderung des Bildtones bewirkt, den Kontrast in den Schattenbereichen aber leicht erhöht. Sepiatoner erzeugt einen braunen oder gelbbraunen Farbton, insbsondere bei Warmtonpapieren und stabilisiert ebenfalls das Bild gegen Umwelteinflüsse. Seltener kamen Kupfer- oder Blautoner zum Einsatz.